Werden die Bürger ausgetrickst?

Artikel aus der Hochheimer Zeitung von Freitag, 24.04.2020

Dissonanz vom Deponiegelände: Die Fakten in dem Artikel "Werden die Bürger ausgetrickst?" in der HZ vom 24.04.2020 sind sehr fundiert recherchiert und sehr verständlich erklärt worden. Wir danken Herrn Dr. Huppert und Herrn Fritsch für diesen sehr informativen Artikel und zollen ihnen hohen Respekt für die Aufarbeitung der – wenn auch überaus traurigen – wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen RMA und RMD sowie der ebenso desaströsen Deponiekörper- und Deponieuntergrundverhältnisse.
Nicht unerwähnt lassen möchten wir an dieser Stelle, dass zur Aufarbeitung der Faktenlage des Deponiekörpers einschließlich des Grundwassers auch die Bürgerinitiative Massenheim e.V. (BIM) beigetragen hat.

Skandalös sind die Überlegungen der RMD zur doppelt so dick wie für DK II geforderten Abdeckung der Deponie (was bei der katastrophalen Finanzsituation wiederum der Steuerzahler aufzubringen hat), um hiermit die Grundlage für die Einlagerung von zusätzlichen, gigantischen Abfallmengen zu schaffen. Hierbei der Öffentlichkeit auch noch vorzugaukeln, dass dies zur Erhöhung der Sicherheit beitragen würde, obwohl die Fakten das Gegenteil sprechen, ist nicht nur unglaubwürdig, sondern beschämend.

Die Halbwertszeit der Informationen von der RMD-Geschäftsführung auch über die Deponiehöhe hinaus ist seit längerem besorgniserregend.

Hierzu einige Beispiele:
Sollte im Dezember 2019 noch ein Bergwerk herhalten, um Wertstoffe aus der Deponie zu holen und zu Geld zu machen, was aus Sicht Herrn von Winnings für den Deponiekörper und für die Umgebung ohne Wirkung wäre, brüstet er sich heute mit der besonderen Standfestigkeit der Schlacke aufgrund der darin enthaltenen Metalle.

Noch vor kurzem hieß es, dass im Fall der Nichterweiterung der Weiterbetrieb der Biomasseaufbereitung eingestellt werden müsste. Nun wird betont, dass in diesem Fall etwa 75 Prozent aller Aktivitäten auf dem Deponiegelände bestehen bleiben würden, wozu auf einmal unter anderem der Betrieb der Bioabfallbehandlungsanlage gerechnet wird.

Bei der Informationsveranstaltung am 27.02.2020 wird im Fall der Nichterweiterung der Deponie dem Bodenbehandlungszentrum aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit eine „ungewisse“ Zukunft beschieden. Nun auf einmal zählt auch das Bodenbehandlungszentrum zu den 75 % Aktivitäten, die bestehen blieben. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

In den jüngsten Veröffentlichungen zur Debatte der Regionalpolitik um den Deponieausbau in Wicker (HZ vom 17.04.20 und WIK vom 18.04.20) stellen unsere Politiker fest, dass nur ein „Ausbau … durch eine doppelte Abdeckschicht verhindern könnte, dass Regenwasser … ins Grundwasser gelangt“. Davon abgesehen, dass eine neue Abdeckung keinerlei Verbesserung zwischen dem bestehenden Müll und dem Untergrund darunter bringt, ist interessant, wie hiermit die Qualität des bisherigen Deponieausbaus (und die Bestätigung der dafür erforderlichen Finanzmittel in der Vergangenheit) ausgeblendet wird. Sitzt nicht ein Teil der verantwortlichen Regionalpolitiker im Aufsichtsrat der RMD (und weiteren Gesellschaften der RMA), die den bisherigen Deponieausbau hätten überwachen müssen und in der Vergangenheit hohe Summen für eine nun angeblich unwirksame Deponieabdeckung freigegeben haben? Und jetzt bringen diese Politiker eine doppelte Abdeckung für noch mehr Abfall ins Spiel mit der Begründung, dass nur damit Regenwasser nicht ins Grundwasser gelangt? Eine Mogelpackung par excellence. Hier ist auch grundlegende Klärung zum Deponiethema innerhalb der Politik notwendig.

Bei einer fehlenden Basisabdichtung einer Deponie mit fragwürdigem Inhalt sollte im Interesse der Gesundheit der Bürger, der Verbesserung der Umweltbedingungen und einer ausgewogenen Gewerbeansiedlung bei allen Entscheidungsträgern endlich die Erkenntnis reifen, die Überlegungen einer "Deponie auf Deponie" ad acta zu legen.

Die BIM fordert die sofortige und nachhaltige Einstellung sämtlicher Ausbau- und Erweiterungspläne der Deponie Wicker!

Steffen Haferkorn,
Bürgerinitiative Massenheim e.V.