156 Mio. Euro und ein Offener Brief

Artikel aus der Hochheimer Zeitung von Samstag, 15.05.2020

Neue und die Öffentlichkeit schockierende Zahlen kommen ans Tageslicht. In einem schriftlichen Interview mit der Hochheimer Zeitung überrascht die RMD-Aufsichtsratsvorsitzende Madlen Overdick mit der Auskunft, dass die Offenbacher Rhein-Main Abfall GmbH (RMA) der Wickerer RMD Rhein-Main GmbH „insgesamt 156 Mio. Euro übertragen hat“. Die Hochheimer Zeitung hatte Frau Overdick nach dem Gesamtbetrag gefragt, der von 2007 bis 2018 von der RMA an die RMD zweckgebunden zur Stilllegung und Nachsorgeverwendung gezahlt wurde. Zum Teil seien „diese Mittel aber in Anlagen investiert, die nicht den geplanten wirtschaftlichen Erfolg gebracht hätten. Bis Ende 2018 beträgt die Finanzierungslücke dadurch 32 Millionen Euro“, so die Auskunft der Aufsichtsratsvorsitzenden. Es stellt sich die Frage an die Verantwortlichen, wie viele der 156 Millionen Euro in Anlagen investiert wurden, wo die riesigen Summen hingegangen sind und was davon noch für die Nachsorge übrig ist. (Lesen Sie das ganze Interview auf Seite 7 dieser Ausgabe.)

Offener Brief: „Rechtswidriges Vorgehen“

Am Mittwoch, den 13. Mai, hat sich der Verein Gegenwind 2011 Rhein-Main mit Unterstützung der Bürgerinitiative Massenheim (BIM), der Jungwinzer Mainwerk3 und des Winzervereins Wicker mit einem medialen Paukenschlag zu Wort gemeldet. In einem Offenen Brief an die RMD-Aufsichtsratsvorsitzende zum Weiterleiten an alle Aufsichtsräte, sprechen die Verfasser von „rechtswidrigen Vorgehen“ bei der Stilllegung der Deponie Wicker. Das Schreiben ging auch an die regionale Presse.

Darin wird aufgelistet, wann und welche Mengen an Schlacke auf den Deponieflächen gelagert wurden und die Frage nach der planungsrechtlichen Genehmigungslage gestellt. So wurden laut Gegenwind zwischen 2015 und 2018 über eine Million Tonnen Schlacke angenommen, ohne gesetzliche Grundlage. Im Gegenteil. Die Stilllegungsphase der Deponie Wicker wurde faktisch beendet und der Großteil der angenommenen Schlacke nicht zur Endprofilierung genutzt - was die einzig planungsrechtlich erlaubte Möglichkeit gewesen wäre - sondern als Abfall entsorgt.

Foto: Gegenwind 2011 Rhein-Mai

Artikel von Jürgen Kunert, Foto: Gegenwind 2011 Rhein-Main