Alte Seilschaften, die bewusst die Augen vor Problemen verschließen

Artikel aus der Hochheimer Zeitung von Freitag, 05.06.2020

Zwei Stunden nach der Verbreitung der Pressemitteilung von Gegenwind 2011 „Ist die RMD mit ihrem Latein am Ende“ erreichten die Redaktion die schri!lichen Äußerungen von Landrat Michael Cyriax. In einem Exklusiv-Interview mit der Hochheimer Zeitung klingen die Worte des Landrats - der gleichzeitig im Aufsichtsrat der RMD sowie der Offenbacher RMA sitzt - wie eine Bankrotterklärung und politische Abrechnung. Michael Cyriax bestätigt in dieser Ausgabe, dass die RMD es versäumt habe, für die weitere Entwicklung vorzubauen. Er beklagt nicht nur, dass die liquiden Mittel nicht in Rücklagen oder einen Zukun!sfond gesteckt wurden. Mit den von der Offenbacher RMA gezahlten Geldern in Millionenhöhe, die für die Deponienachsorge vorgesehen waren, seien aktuell vorhandene Löcher gestop! worden. Die Worte des Landrats bestätigen in ihrer Deutlichkeit die Aufklärungsarbeit von Gegenwind 2011: „Die RMD ist bis heute nur schwer steuerbar“ und dann spricht er Klartext über „die weiter wirkenden alten Seilscha!en, die bewusst die Augen vor Problemen verschlossen und immer noch verschließen“.

„Welche Konsequenzen wird es geben?“ Mit dieser Frage beginnt die neue Pressemitteilung des Hochheimer Vereins, die am Mittwoch im Hinblick auf die richtungsweisende Kreistagssitzung am 15. Juni verbreitet wurde. Zu den zahlreichen Fakten von Gegenwind 2011 fällt den RMD-Verantwortlichen offensichtlich keine Antwort mehr ein. „Bezeichnend ist, dass die RMD- Aufsichtsratsvorsitzende Madlen Overdick auf die nachgewiesenen falschen Antworten und verfälschten Tatsachen bisher nicht reagiert hat“, so Rolf Fritsch. „Wir werden bald sehen, welche Konsequenzen im Kreistag und im Aufsichtsrat gezogen werden. Falls nicht, werden wir in Kürze die Goldbornhalle in Wicker mieten, den Spieß umdrehen und die ‚Gegenwind-Nacht der Aufklärung‘ veranstalten“, kündigt Rolf Fritsch an.

In der kommenden Woche werde der Offene Brief Nr. 3 folgen, somit haben alle Kreistagsabgeordneten vor dem 15. Juni die zehn Ausschlusskriterien für die „Deponie auf Deponie" auf dem Tisch liegen. Diese hatte Dr. Hans-Peter Huppert in seiner 90-seitigen Expertise formuliert. Zur Pressemitteilung ergänzt Dr. Huppert:

„Es stellt sich die Frage, woher kamen diese Löcher in Millionenhöhe überhaupt? Betrachtet man sich die nackten Zahlen, hätte das Müllgeschä! der RMD statt Dauerverluste Gewinne abwerfen müssen. Die RMD-Gruppe hat zwischen 2005 und 2018 über 30 Mio. Tonnen Abfall angenommen, verwertet und entsorgt. Das ist mehr als doppelt so viel, wie in diesem Zeitraum in ganz Hessen angefallen ist. Beim Thema Schlacke sind die Zahlen noch aufschlussreicher. Jährlich fallen in den vier hessischen Müllverbrennungsanlagen 250.000 bis 300.000 Tonnen Schlacke an. Allein die Schlackeaufbereitungsanlage in Wicker bereitet jährlich bis zu 500.000 Tonnen Schlacke auf. Ein Großteil kann gar nicht aus der Region stammen. Trotz dieser gigantischen Mengendurchsätze schafft die RMD Verluste. Die Entsorgungssicherheit der Rhein-Main Region, die noch für viele Jahre gesichert gewesen wäre, wurde von der RMD in den letzten 20 Jahren verramscht“.

Artikel von Jürgen Kunert