Kritik an RMD-Schelte, Lob für Gegenwind

Artikel aus der Hochheimer Zeitung von Freitag, 26.06.2020

Nach der Entscheidung des Kreistags hatte Madlen Overdick als Vorsitzende im Namen des RMD-Aufsichtsrats mit einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative Gegenwind 2011 vorgeworfen, sie „sorge mit ihren erneuten Fragen in zwei weiteren offenen Briefen nach Überzeugung des Aufsichtsrats der RMD für eine erneute Verunsicherung in der Bevölkerung“. Mit großer Sorge nimmt der Aufsichtsrat der RMD wahr, dass es Gegenwind 2011 Rhein-Main e.V. offensichtlich nicht um sachliche Aufklärung von offenen Fragen geht“. Der Bürgerinitiative gehe es um Medienwirksamkeit.

Zuletzt hatte die Aufsichtsratsvorsitzende wiederholt, „es gibt keine Fragen, die nicht beantwortet werden können“. Mit ihrem Anruf am 24. Juni in der Redaktion der Hochheimer Zeitung betonte Madlen Overdick, dass der RMD-Aussichtsrat den Beschluss gefasst habe, die neuesten Fragen von Gegenwind 2011 nicht mehr zu beantworten.


Mit ihrer Pressemitteilung vom 17. Juni hat sich die RMD offensichtlich keine Gefallen getan, wie die Reaktionen aus Politik und Öffentlichkeit zeigen. Auch aus den eigenen Reihen hatte es bereits starke Kritik zu den negativen Äußerungen über Gegenwind 2011 durch die Grünen-Politikerin und ihrer Parteikollegin Renate Mohr im Kreistag gegeben.

Zum Vorwurf, Gegenwind 2011 habe Medienwirksamkeit gesucht, entgegnet Michael Mehr für die BIM in Massenheim:

„Wie sonst als durch bürgerliches Engagement und Zusammenarbeit in Bürgerinitiativen sollen sich die Menschen gegen Entscheidungen inkompetenter Politiker wehren?“


Laut Philipp Neuhaus begrüßten die Sozialdemokraten im Kreistag „die Arbeit von Bürgerinitiativen wie Gegenwind 2011 und engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Flörsheim und Hochheim ausdrücklich … und halten es für wichtig, diese in den weiteren Prozess der Aufklärung einzubeziehen und ihnen Gehör zu verschaffen“.


Manfred Zobel, Ehrenvorsitzender der Freien Wähler: „Allem voran zunächst ein großes Lob und Dank einer Gruppe aus der jüngeren Generation, dem Mainwerk³ für ihr Engagement, sowie den ‚Hauptakteuren‘ Dr. Hans-Peter Huppert und Rolf Fritsch von Gegenwind 2011 e.V., für ihre sehr umfangreichen und tiefgründigen Recherchearbeiten zur ‚DaD‘ (Deponie auf Deponie). Lob und Dank aber auch an die Redaktion der Hochheimer Zeitung, die diese umfangreichen Dokumentationen abgedruckt hat“.

„Über 1.500 Unterschriften von uns aus Wicker waren eine klare Botschaft“, sagt Doris Steffens: „Dass sich im Rahmen der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit dieses eigentlich doch ‚grünen‘ Themas gerade grüne Politiker gegen eine schonungslose Information der Öffentlichkeit wehren und dazu noch in einer peinlichen, befremdlichen Art und Weise, kann ich nicht nachvollziehen“.

Aus Dank für das Engagement ist Lydia Hartmann aus Wicker Gegenwind 2011 beigetreten: „Betroffen macht mich nun die Pressemitteilung der RMD, in der Frau Overdick wohl diesen Sachverhalt, den Wunsch auf ein Ende der Deponie, der hier lebenden Menschen nicht respektiert. Die Bevölkerung ist nicht durch Gegenwind, wie Frau Overdick behauptet, sondern durch die Aktivitäten der RMD in fast 50 Jahren verunsichert“.

Für Christa Ahlers aus Hochheim erinnert „die Argumentation des Aufsichtsrates der RMD an die derzeit gängige Pressearbeit der aktuellen amerikanischen Politik. Gegensätzliche Fakten werden abgeschmettert, Kritiker und Fachleute angegriffen und verunglimpft. Eigenes Versagen schönreden und den Aufklärern die Schuld geben, statt ehrlich eigene Verantwortung zu übernehmen ist leider kein gutes Niveau“.

Da laut Hochheims SPD-Vorsitzenden Jan Herfort ein großer Teil der Nachsorgekosten für die Wickerer Deponie voraussichtlich aus Steuermitteln finanziert werden muss, haben die Bürgerinnen und Bürger des Main-Taunus-Kreises ein berechtigtes Interesse an einer Aufklärung der im Raum stehenden Vorwürfe und offenen Fragen. Die Stadt Hochheim habe zudem ein eigenes Interesse an der Aufklärung, da sie aktuell noch, gemeinsam mit der Stadt Flörsheim, an der Main-Taunus-Recycling GmbH, einer Tochtergesellschaft der RMD, beteiligt ist.

„Deshalb bietet die Stadtverordnetenversammlung dem Aufsichtsrat der RMD und der Bürgerinitiative Gegenwind 2011 eine Plattform zur Beantwortung der offenen Fragen im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss an und wird sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für eine Aufklärung einsetzen“.


Thomas Probst (dfb Flörsheim) geht auf fachliche RMD-Argumente ein: „Man sprach von illegaler Ablagerung, die inzwischen nicht mehr illegal ist, sondern lediglich am falschen Ort läge, weswegen diese jetzt innerhalb der Deponie ‚nur‘ verlagert werden müssen“.

Die Erklärung der RMD-Aufsichtsratsvorsitzenden Overdick ist für Eric Müller ein Indiz dafür, „dass die für die Bevölkerung sehr wichtige öffentliche Diskussion von den Verantwortlichen der RMD als öffentliche Anklage gegen sie verstanden wurde“.

Heinz M.Merkel (Gal/Die Linke) spricht von dümmlich-peinlich wirkenden Diffamierungen, in Klartext übersetzt: „Wer uns unbequeme Fragen stellt, uns gar mit (belegbaren) Fakten konfrontiert – mit dem reden wir nicht mehr. Der Beschluss der Hochheimer Stadtverordnetenversammlung könnte die Probe aufs Exempel sein: In einer öffentlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschuss sollen sich beide Seiten (RMD und Gegenwind 2011) den Fragen der Stadtverordneten stellen und ihre Argumente vortragen können. Die Fakten müssen jetzt endlich (vollständig) auf den Tisch!“

Für Bündnis 9o/Die Grünen plädiert Florian Fuhrmann für einen offenen und ehrlichen Dialog: „Geschäftsführung, BIM, Gegenwind 2011, Verwaltung sowie Politische Gremien sollten die aufgeworfenen Vorwürfe sachlich, aber auch schonungslos aufklären. Nur so ist ein ‚Neuanfang‘ und ein Rückgewinnen des verlorenen Vertrauens in die RMD überhaupt möglich.

Aus diesem Grund werden die RMD Aufsichtsratsvorsitzende sowie Gegenwind 2011 ja auch für einen kommenden Ausschuss eingeladen“.

Für die FDP Hochheim verfasste Hannelore Andree:
„Das Urteil über die Bürgerinitiative Gegenwind ist starker Tobak. Wenn es Frau Overdick um Transparenz und um Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung geht, soll sie bitte der Einladung in den Ausschuss für Bauen, Verkehr und Umwelt (BVU) folgen, die die Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung am 18.6.2020 einstimmig ausgesprochen hat.

Die Liberalen in Hochheim nehmen mit großer Sorge wahr, dass der Aufsichtsrat der RMD, vertreten durch Frau Overdick die selbstverständlichsten Regeln einer Demokratie nicht akzeptiert und sie wohl auch nicht beherrscht.“

Wie geht es mit der RMD in Wicker weiter?“
Die vollständigen Stellungnahmen der hier angerissenen Beiträge sowie weitere Meinungen zum Thema stehen auf den Seiten 6 bis 8 dieser Ausgabe (und auf dieser Webseite unter Aktuelles).

Artikel von Jürgen Kunert