Die Büchse der Pandora

Artikel aus der Hochheimer Zeitung von Donnerstag, 30.04.2020

Zusätzlich zu den vergangenen Bürgerversammlungen in Wicker und Massenheim wurden wir in der letzten Zeit in der HZ noch einmal detailreich, sicher immer noch nicht ausreichend, über die Planung einer DaD informiert.

Wieder einmal wird klar, dass es bei der anstehenden Problematik um eine Abwägung geht; eine Abwägung von Gesundheit und Umweltbelastung gegen Fragen der wirtscha!lichen Rentabilität. Und wiederum wird klar, dass hier Fehler der Vergangenheit zur Rechtfertigung für möglicherweise neue Fehlentscheidungen missbraucht werden. Bekanntlich wurde seit den 60er Jahren für Jahrzehnte in Wicker Hausmüll und zum Teil hochgi!iger Industriemüll deponiert ohne jegliche grundwasserschützende Basisabdichtung. Deshalb muss noch heute eine kostenintensive Grundwasser-Reinigungsanlage betrieben werden. So ist das eben: Fehler der Vergangenheit kosten uns heute viel Geld.

Jetzt hat man sich aber zur Planung eines abenteuerlichen Verfahrens – eine Deponie auf der Deponie - entschieden, um diese ungesicherte Altlasten-Deponie weiter zu betreiben mit dem Argument, Stilllegung koste nur Geld, mit dem Weiterbetrieb könne man aber die Deponie aus der finanziellen Misere herausführen und erstaunlicherweise auch noch für Umwelt- und Entsorgungssicherheit sorgen. So soll den Bürgern der Region vermittelt werden, 20 weitere Deponiebetriebsjahre und ein 20 Meter (oder vielleicht sogar 32m laut Dr. Huppert) höherer Müll-Tafelberg seien das kleinere Übel und müssen hingenommen werden.

Nun hat Herr Dr. Huppert, ein ausgewiesener Experte in Sachen Altlasten- und Deponiesanierung, in der letzten HZ die wie Beruhigungspillen wirkenden Argumente von Winnings auseinandergenommen, Argumente stehen nun gegen Argumente und es wird immer deutlicher, wie prekär die Situation auf der Wickerer Deponie ist.

Als Grüne interessieren mich vor allem seine umwelt- und gesundheitsspezifischen Argumente, wobei auch seine finanzrelevanten Fakten zeigen, auf welch unsicherer Basis hier von Seiten der RMD argumentiert wird.

Huppert beschreibt eindrücklich die Setzungsproblematik im Bereich des alten Deponiekörpers, die bis zu 6m! beträgt. Angeblich soll ja durch die Last der neuen Deponie die Belastung des Grundwassers durch die Altlasten beendet werden. Hupperts Szenario mit unterschiedlich verdichtetem Industriemüll und dem Druck auf diesen nennt er dagegen für das Grundwasser„brandgefährlich“. Wer könnte diese Büchse der Pandora nach Jahrzehnten oder nach genannten 100 Jahren

schließen oder sich überhaupt noch dafür verantwortlich fühlen? Die Verantwortlichen von heute würde es dann nicht mehr geben. Ohne Basisabdeckung, die für die Altlasten ja fehlt, wird laut Huppert in der Fachliteratur grundsätzlich von einer DaD abgeraten. Es handelt sich doch wohl um eine höchst umstrittene Technik, deren dramatische Folgen im Hinblick auf Gesundheit und Umwelt zumindest für den hiesigen Standort gar nicht absehbar sind.

Weder die Zahlen zur Höhe des neuen Müllberges noch die zur LKW-Belastung scheinen zu stimmen. Vor allem die Umrechnung der Last von 5 Millionen Kubikmeter auf die dazu nötige Zahl von LKWs zeige: Dafür brauche man nicht wie bisher 20 LKWs pro Tag, sondern auf 20 Jahre gerechnet 79 LKWs pro Tag; bei den dann o! genannten nur 10 Jahren das Doppelte. Dass das Misstrauen bei solchen Versprechungen und Zahlenspielereien immer weiter sinkt, ist doch kein Wunder.

Ich fand die einstimmige Verständigung des Hochheimer Parlaments auf einen Kompromissvorschlag sinnvoll: nämlich einer Minimallösung in Form einer begrenzten Verfüllung des derzeitigen Mülltals zuzustimmen, um auch Zeit für eine andere Regelung statt der DaD in Wicker zu finden. Die Gespräche mit Wiesbaden sind o"enbar noch nicht abgeschlossen. Denn der Müll ist ja da und unsere Müllberge wachsen. Deshalb erwarte ich von der Politik und von jedem einzelnen von uns vorrangig und dringend ein Umdenken und Gegensteuern in Sachen sorglosen Konsumierens und Wegwerfens, das ist das Gebot der Stunde: für eine gesunde Umwelt und für eine lebenswerte Zukun! auf unserem Planeten.

Birgit von Stern, Hochheim