Die doppelte Menge als in ganz Hessen anfällt

Artikel aus der Hochheimer Zeitung von Freitag, 29.05.2020

Kann es tatsächlich sein, dass die RMD über fast zwei Jahrzehnte hinweg jährlich mehr als doppelt soviel Bauschutt, Erdmassen und vor allem Schlacke angenommen hat, wie in gesamt Hessen überhaupt angefallen sind? Dies und weitere Sachverhalte werden jedenfalls im Anschreiben des Offenen Briefs Nr. 2 an die RMD- Aufsichtsratsvorsitzende Madlen Overdick angesprochen. Ebenso wird die lückenlose Aufklärung zum Verbleib der von der RMA für die Stilllegung und Nachsorge erhaltenen 156 Millionen Euro gefordert.

Zitiert wird auch aus einer Bilanz der RMD-Tochtergesellscha" MTR: „Ausgebaut werden konnte auch die Verwertung von Schlacke, die aus der Schweiz importiert wird“.

Falls die Aussagen von Gegenwind 2011 zutreffen und sogar Schlacke aus dem Ausland importiert wurde, hat das die Qualität eines neuen Müllskandals. „Es wird sich zeigen, dass nicht nur Schweizer Schlacke angenommen wurde“ kommentiert Rolf Fritsch.

Sanierungsexperte Dr. Hans-Peter Huppert ergänzt: „ Die Politik spricht immer wieder von der Entsorgungssicherheit der Bürger im Rhein-Main Gebiet. Wieso hat dann der Aufsichtsrat der RMD, der ausschließlich politisch besetzt ist, über all die Jahre zugelassen, dass ein steter Mülltourismus nach Wicker stattgefunden hat? Die vorhandenen Kapazitäten hätten für die Region noch viele Jahre ausgereicht, wäre man damit verantwortlich umgegangen“.

In der Frankfurter Rundschau vom 27.05. stellt sich die Grüne Alternative Liste Flörsheim (GALF) gegen das Deponie auf Deponie Konzept und fordert, möglichst schnell einen neuen Deponiestandort für die Schlacke zu finden. „Hätte die Politik einschließlich der Grünen in der Vergangenheit ihre Hausaufgaben gemacht, wäre das gar nicht notwendig“ sagt Huppert.

Aber selbst das ist offensichtlich noch lange nicht der Gipfel der RMD-Pleiten-und Pannenstatistik. In der FR vom 27.05.2020 bekundet die Grüne Alternative Liste Verständnis für die Geschä"sführung der RMD, die jetzt schauen müsse, wo man die 200 Mio. Euro für die Deponienachsorge herholen soll. Dafür kann man gar kein Verständnis haben, denn die Rhein-Main Abfall GmbH als Generalentsorger hat der RMD zwischen 2005 und 2018 genau für diesen Zweck 156 Mio. Euro überwiesen. Dieses Geld ist heute nicht mehr vorhanden. Laut Aussagen der RMD Aufsichtsratsvorsitzenden Frau Overdick wurden die zweckgebundenen Mittel teilweise in technische Anlagen investiert, die allerdings bis heute kein positives Ergebnis erwirtscha"en. Bislang kannte man die RMD als sehr großzügigen und spendablen Sponsor der Region. Offensichtlich erkau"e man sich das Wohlwollen der Bürger, allerdings mit Geldern, die für die Deponienachsorge zweckgebunden waren.

Wie es die RMD über Jahre hinweg geschafft hat, trotz riesiger Annahmemengen von jährlich zwischen 2 bis 3 Millionen Tonnen immer wieder Verluste zu erwirtscha"en und dabei die vereinnahmten 156 Mio. Euro für die Nachsorge zweckentfremdend auszugeben, hat die Dimension eines Müllskandals weit über Rhein-Main hinaus.

Artikel von jk