„Sieg-Niederlage-Denken führt nicht weiter“

Artikel aus der Hochheimer Zeitung von Freitag, 26.06.2020

Als Bürgermeister der Stadt Flörsheim am Main hat es mich gefreut, dass der Kreistagsbeschluss zur Beendigung des Projekts „Deponie auf Deponie“ von einer breiten Mehrheit getragen wird. Das wird auch helfen, die Diskussionen in Flörsheim/Wicker und Hochheim zu versachlichen. Die Deponie-Nachsorge wird noch viele Jahre, ja: Jahrzehnte dauern, und sehr viel Geld wird dafür benötigt werden. Der Kreistag hat dazu in seinem Beschluss einen Bericht gefordert. Das begrüße ich ausdrücklich.

Die Art und Weise, wie jedoch in den letzten Wochen und Monaten von einigen Personen agiert wurde, hat, so scheint mir, bei Teilen der Öffentlichkeit zu einem Denken: „Sieg-Niederlage bzw. Schwarz-Weiß“ geführt. Die Welt, wer sie richtig anschaut, sollte das wissen, ist aber nicht so. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es viele Abstufungen.

So wird es nun auch bei der Arbeit mit der Deponie sein. Wer im Augenblick von einem „Sieg“ spricht, wird hoffentlich wissen, dass es noch Jahrzehnte der Nachsorge dauern wird. Wer in einem „Wir haben gewonnen“-Schema denkt, muss mitbedenken, dass hier noch viel Geld in die Hand genommen werden muss. Ein Denken „Wir sind die Gewinner – das sind die Verlierer“ ist schlecht für eine Gesellschaft.

Als Bürgermeister weiß man: Es gilt, alle Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen. Kompromisse und ein „Ab- und Zu-Geben“ gehören zu den Grundlagen der parlamentarischen Demokratie. Transparenz und Ehrlichkeit gehören ebenso dazu.

Hüte, hüte, den Fuß und die Hände,/ eh sie berühren das kleinste Ding./ Denn du zertrittst eine hässliche Raupe/ Und tötest den schönsten Schmetterling“, schrieb Theodor Strom all denen ins Stammbuch, die voreilig handeln oder sich über einen kurzfristigen Erfolg freuen.

Seit eineinhalb Jahren bin ich im Aufsichtsrat der RMD und damit sicher eines der „jüngsten“ Mitglieder. Ich habe bisher dort stets Kolleginnen und Kollegen erlebt, die als Kommunal- und Regionalpolitiker gewohnt sind, nicht voreilig zu agieren, Verhandlungen zu führen, Kompromisse zu schließen und die Wichtigkeit eines langen Atems zu kennen.

Als einfaches Mitglied des Aufsichtsrats steht es mir nicht zu, für den Aufsichtsrat in seiner Gesamtheit zu sprechen. Ich denke aber, für mich sagen zu dürfen, dass der Aufsichtsrat die „offenen Briefe“ der Initiative „Gegenwind“ in großer Geschlossenheit und Einmütigkeit zur Kenntnis genommen hat. Sprecherin des Aufsichtsrates ist dessen Vorsitzende, Frau Kreisbeigeordnete Overdick. Wenn es Antworten von Frau Overdick auf den einen oder anderen Brief gibt, so sollten Sie davon ausgehen, dass diese die Meinung und Ansicht des gesamten Aufsichtsrats spiegeln.

Artikel von Dr. Bernd Blisch, Bürgermeister von Flörsheim